06.04.2018 5G-Mobilfunk

Schnelle Datenübertragung in Echtzeit

Von: Ingo Steinhaus

Fürs Telefonieren bringt die neue 5-Technologie nicht viel, aber das ist auch nicht ihr Fokus: Sie soll Breitband On Air ermöglichen.

5G-Technologie

Die 5G-Technologie erlaubt Datenübertragung in Echtzeit.

Alle reden von 5G. Damit ist der kommende Mobilfunkstandard gemeint, der nach Aussagen der Telekommunikationsunternehmen mobiles Breitband bieten soll. Zwar ist noch nicht einmal das LTE-Netz (4G) vollständig ausgebaut, doch viele Unternehmen versprechen sich wahre Wunderdinge von dem neuen 5G-Netz, das ab 2020 eingeführt wird. So gilt es als Grundvoraussetzung für Zukunftstechnologien wie das Internet der Dinge oder das autonome Fahren.

Auf der Hannover Messe Ende des Monats werden der Hersteller Ericsson zusammen mit dem Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie in Aachen eine interessante Testumgebung für 5G-Anwendungen im industriellen Umfeld vorstellen. Denn der schnelle LTE-Nachfolger ermöglicht erstmals eine direkte, kabellose Messung von Sensordaten in Echtzeit. Bisher mussten entweder Kabelstrecken genutzt oder auf die Echtzeitmessung verzichtet werden. Dabei überträgt ein Sensor Schwingungsdaten einer Werkzeugmaschine und kann Probleme oder Störungen wegen der geringen Latenzen von bis zu einer Millisekunde problemlos über 5G an eine Analyse-Software übertragen. Sie kann deshalb sofort reagieren und Störungen im Produktionsprozess vermeiden.

Auch für autonome Fahrzeuge bietet 5G erhebliche Vorteile gegenüber den bisherigen Mobilfunkstandards. So ist zwar die gesamte Steuerintelligenz direkt im Wagen verbaut, um rasch auf Notsituationen zu reagieren. Trotzdem werden autonome Fahrzeuge vernetzt sein und mit 5G-Technologie untereinander Kontakt aufnehmen. Sie können sich dadurch abstimmen, um beispielsweise schnelle Konvoi-Fahrten, rasches Ein- und Ausfädeln auf der Autobahn und sichere Überholmanöver zu ermöglichen.

Kurz: Viel diskutierte Zukunftstechnologien werden erst durch den neuen Mobilfunkstandard anwendungsreif. „Für Deutschland und seine industrielle Kompetenz ist das ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor. Politik und Wirtschaft müssen nun konzertiert handeln, damit das Land zum internationalen Leitmarkt für 5G-Anwendungen werden kann“, betonen die Autoren der Studie „Erfolgsfaktor 5G“, die gemeinsam von der Unternehmensberatung Roland Berger und der Internet Economy Foundation (IE.F) durchgeführt wurde.

5G-Mobilfunk bringt Innovationsschub

„Der Standort Deutschland kann ganz besonders von 5G profitieren“, sagt Friedbert Pflüger, Vorsitzender der IE.F. „Denn die deutsche Industrie setzt schon heute auf viele Zukunftstechnologien, die erst mit dem neuen Mobilfunkstandard richtig durchstarten werden.“ So sind neben fahrerlosen Autos und Lastern innovative Anwendungsfelder wie das Internet der Dinge in Fertigungsprozessen oder auch E-Health auf einen schnellen und jederzeit verfügbaren Datenaustausch angewiesen. Für all diese Anwendungen müssen Milliarden von Sensoren in Maschinen, Autos und Geräten miteinander kommunizieren können - mobil und in Echtzeit.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die schnelle Datenkommunikation mittels 5G zum zentralen Hebel wird für die immer stärkere Automatisierung und effizientere Produktionsprozesse wird. Allerdings befürchten die Autoren, dass Politik und Wirtschaft hier zu langsam reagieren. Denn ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass bisher jeder neue Mobilfunkstandard zu einem Innovationsschub geführt hat, allerdings nicht unbedingt in Deutschland. „Das gilt es diesmal zu vermeiden, denn die Prognosen für die zusätzliche Wertschöpfung durch 5G liegen im Milliardenbereich - darauf kann die heimische Wirtschaft nicht verzichten“, finden die Autoren der Studie. „Ein schneller und flächendeckender 5G-Rollout ist in Deutschland deshalb unverzichtbar.“

Um die Ausbaupläne zum Erfolg zu führen, haben Roland Berger und die IE.F in ihrer Studie Handlungsempfehlungen ausgearbeitet. Dazu gehören neben der zügigen Vergabe der Frequenzen und dem Aufbau zusätzlicher Testfelder auch staatliche Investitionen in den Ausbau der nötigen Zugangsnetze, denn 5G funktioniert nur mit lokaler Glasfaseranbindung. Auch hier zeigt sich wieder, dass der seit gut einem Jahrzehnt verschleppte Breitbandausbau zum echten Hindernis die weitere wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands geworden ist.

Bildquelle: Thinkstock

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