09.04.2018 Mit Tradition und Historie im Teufelskreis

Software-Dschungel: Erst den Durchblick verschaffen

Von: Heidi Schmidt

Auf Unternehmen zugeschnittene und moderne Geschäftsanwendungen führen ­nachweislich zu Gewinnsteigerungen und einer besseren Kunden- sowie Mitarbeiterbindung. Daher bleibt Individual-Software in vielen Branchen gefragt. Das belegt auch eine Bitkom-Studie: Demnach entwickelt jedes dritte Unternehmen eigene Software und betrachtet diese Fähigkeit als eine seiner Kernkompetenzen.

Unternehmen sollten bei ihren Bestandssystemen den Durchblick haben.

Unternehmen sollten bei ihren Bestandssystemen den Durchblick haben.

Doch nicht selten befinden sich Unternehmen mit Tradition und Historie in einem Teufelskreis hinsichtlich ihrer heutigen Anwendungen: Ihre Software ist über Jahrzehnte gewachsen und funktional oft umfangreich, technologisch aber teilweise veraltet. Erfahrene Entwickler und Anwender gehen in den Ruhestand, wodurch wertvolles Expertenwissen verloren geht. Es fehlt zunehmend an Transparenz und Dokumentation der Prozessabläufe. Die ständig notwendige Weiterentwicklung und Veränderung der Systeme wird dadurch immer komplexer und fehleranfälliger. Dem Unternehmen kann kurzfristig der technologische Stillstand und mittel- bis langfristig der Verlust von Kunden und Märkten drohen.

Wer als Unternehmer von den Möglichkeiten des technologischen Fortschritts individuell profitieren will und gleichzeitig die Risiken und hohen Kosten von Big-Bang-Projekten fürchtet, ist in aller Regel mit einer Software-Transformation auf dem richtigen Weg. Dabei versteht man unter Software-Transformation heute, eine vorhandene Software – bestehend aus Business-Logik, Daten, User Interface und den zugehörigen Entwicklern sowie Anwendern – von einer historisch gewachsenen Ausgangsbasis in ein zukunftsfähiges Zielsystem zu überführen.

Zahlreiche Firmen haben diesen Schritt bereits bewältigt, etwa die auf Schadensregulierung spezialisierte Avus aus Graz. Sie konnte 1,8 Mio. Euro einsparen, indem das Bestandssystem modernisiert und die Prozessabläufe komplett digitalisiert wurden. Auch T-Systems konnte die Position stärken, weil man den modernen Mainframe als leistungsfähige Plattform für die Digitalisierung beherrscht und damit Kunden bei deren digitaler Transformation unterstützen kann. Nicht zuletzt sei an dieser Stelle die TFG Transfracht aus Mainz zitiert: „27 Prozent mehr Durchsatz in der Disposition durch Automatisierung und die Gestaltung einer neuen Bedienführung auf der Basis unserer bisherigen Kernanwendung“, berichtet Kerstin Corvers, Geschäftsführerin der Deutsche-Bahn-Tochter.

Wenn Unternehmen das „Delivery Gap“ überwinden, können sie folgende Vorteile der digitalen Transformation ausschöpfen: mehr Umsatz dank agiler IT-Systeme, mehr Flexibilität und Geschwindigkeit bei der (Neu-)Gestaltung von Geschäftsprozessen, die Steigerung der Produktivität und Zufriedenheit ihrer Entwickler und Anwender sowie die Flexibilität in der Nutzung von IT-Ressourcen. Im nächsten Schritt gilt es zu klären, wie sich heutige Software-Systeme bewerten und welche Schlussfolgerungen sich daraus ziehen lassen. So müssen bei der Konzeption einer sicheren und zukunftsfähigen Software-Transforma­tion kundenindividuelle Konzepte erdacht, erprobt und schließlich in die Realität umgesetzt werden. Bewährt haben sich dabei folgende Schritte:

1. Software Assessment


Nur wenn klar ist, wie die heutigen Anwendungen im Detail funktionieren, können für deren Erneuerung oder Ablösung konkrete und umsetzbare Konzepte erarbeitet werden. Daher müssen die Bestandssysteme umfassend technisch und fachlich vermessen und bewertet werden. Das klingt aufwendig, ist aber dank Tools und erfahrenen Partnern wie der PKS Software GmbH in der Regel in wenigen Wochen durchzuführen. Die Erkenntnisse und Informationen aus dem Assessment müssen in Form von konkreten Handlungsempfehlungen und Umsetzungsstrategien zur Verfügung gestellt und dem Management vermittelt werden.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 03/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Dabei erhält man „ganz nebenbei“ die häufig nicht vorhandene Online-Dokumentation des Ist-Zustands und Qualitätskennzahlen zur Bestands-Software. Zum Einsatz kommen bei einem Software Assessment Analysewerkzeuge wie Explain, Usability-Analysen, Interviews und Fragebögen, Code-Metriken sowie Benchmarking-Verfahren.

2. Roadmap-Erstellung


Anhand der Schlussfolgerungen aus dem Software Assessment und unter Berücksichtigung der unternehmerischen Zielsetzung kann die sogenannte Modernisierungs-Roadmap erarbeitet werden. Im Ergebnis entsteht eine realistische und umsetzbare Roadmap. Ziel ist es, dass jeder Schritt der Erneuerung dem Unternehmen einen finanziellen oder strategischen Vorteil bringt und sich dadurch unmittelbar bezahlt macht. Die Roadmap ist somit die Übersetzung der Digitalisierungsstrategie des Unternehmens in eine IT-Strategie, die die heutigen Gegebenheiten der Software-Landschaft berücksichtigt und ein für das Unternehmen finanziell und personell realisierbares Vorhaben abbildet.

3. Schrittweise Umsetzung


Gerade wenn sich aus dem Assessment mehrere lohnenswerte Transformationsmaßnahmen ableiten lassen, ist es wichtig, bei der Umsetzung schrittweise vorzugehen – um sowohl das Projektteam als auch das Unternehmen nicht zu überfordern. Somit spielt auch das Change-Management eine große Rolle. Außerdem werden besonders kritische Aspekte in der Regel durch Proof of Concepts abgesichert und validiert.

4. Know-how-Transfer


Die Befähigung des Teams ist ein zen-traler Aspekt für eine erfolgreiche Transformation und Garant dafür, dass der eingeschlagene Weg dauerhaft und nachhaltig beibehalten werden kann. Hier liegt der Schlüssel zum Erfolg und gleichzeitig auch die größte Herausforderung. Am besten löst man diese durch durchdachte Schulungs- und Lernkonzepte, den permanenten Austausch zwischen IT und Fachabteilung sowie eine offene Kommunikation und Fehlerkultur. Viele Unternehmen entscheiden sich auch dazu, ein eigenes Innovationsteam zu etablieren, damit der digitale Wandel fortlaufend thematisiert und strukturiert begleitet werden kann.

Bildquelle: Thinkstock/Stockbyte

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